Für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ist eine frühzeitige Erkennung von familiären Belastungen und eine Vermittlung in geeignete Unterstützungsangebote wichtig. Eine spezielle Sprechstunde in Kinder- und Jugendarztpraxen kann dabei einen vertrauensvollen und niederschwelligen Zugang zu Familien schaffen.
In Styrum wird seit September 2025 in der dort niedergelassenen Kinder- und Jugendarztpraxis eine „Gesundheitssprechstunde“ angeboten. Ziel des Pilotprojektes ist es, Familien frühzeitig zu erreichen, bei denen ein Unterstützungsbedarf besteht, der jedoch über unmittelbar medizinische Belange hinausgeht. Die Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Styrum hat diesen Bedarf bereits seit Längerem erkannt: „Wir hatten uns vorgestellt, dass die Gesundheitssprechstunde in unseren Räumlichkeiten ein niederschwelliges Angebot an Eltern darstellt, die Angebote der Stadt Mülheim zu nutzen, um Kindern mit Förderbedarf und Familien in schwierigen Lebenssituationen rasch Zugang zu den zuständigen städtischen Stellen zu ermöglichen und ihnen Hilfsangebote wohnortnah nahezubringen“, erläutert der Kinder- und Jugendarzt Dr. Andreas Weckelmann. Die neue Gesundheitssprechstunde soll die Familien dabei in ihrem vertrauten Umfeld der Kinderarztpraxis „abholen“ und bedarfsgerecht in weitere Hilfsangebote vermitteln.
Den bestehenden Bedarf bestätigt auch Lisa-Marie Butzke von der Sprachtherapeutischen Beratungsstelle und Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Behinderung des Amtes für Gesundheit und Hygiene, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Carmen Klemencic als gut vernetzte Fachkräfte die Familien zu den entsprechenden Angeboten „lotsen“: „Die Idee zur Gesundheitssprechstunde entstand, da in unseren Beratungsstellen sowie in der Zusammenarbeit mit Kinderarztpraxen immer mehr Familien auffielen, die Empfehlungen zur Förderung, Diagnostik und Therapie im Entwicklungsprozess ihrer Kinder nicht nachgekommen sind oder aus diversen Gründen nicht nachkommen konnten. Um diesen Familien zukünftig einen möglichst niederschwelligen Erstkontakt in einer ihnen bekannten Umgebung anzubieten und sie im weiteren Verlauf - möglichst frühzeitig - unterstützen und begleiten zu können, wurde die Gesundheitssprechstunde in Mülheim an der Ruhr ins Leben gerufen. Das Projekt soll dabei als Brücke zwischen Kinderarztpraxis und Beratungsstellen dienen.“
Neben bereits bestehenden Beratungs- und Hilfsangeboten der Stadt unterstützt die Gesundheitssprechstunde dabei, insbesondere Familien in belasteten Lebenslagen zu erreichen. Dabei sollen vor allem die Familien mit Kindern in der Altersgruppe von vier bis sechs Jahren in den Blick genommen werden. Thematisch kann es dabei beispielsweise um eine Beratung gehen, bei der die Wichtigkeit eines Kita-Besuches und des Vorlesens sowie entsprechende Anlaufstellen, wie z.B. die Stadtbibliothek, beworben werden. Ebenso finden Themen wie Medienkonsum und Mehrsprachigkeit Platz in dieser Art des Beratungsangebotes. Darüber hinaus kann es um eine Unterstützung bei der Kita-Anmeldung oder um eine Hilfestellung bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises und Pflegegrades gehen.
„Die Gesundheitssprechstunde in diesem Pilotprojekt erweitert damit das Beratungsangebot der Stadt. Mit dem Schritt raus aus dem Gesundheitsamt, rein in die Kinderartpraxis hoffen wir Familien zu erreichen, die wir anders vielleicht nicht erreicht hätten. Das kommt sowohl den Kindern wie den Eltern zugute. Auch ist die so angelegte Gesundheitssprechstunde ein gelungenes Beispiel für die gut vernetzte und bereichsübergreifende Zusammenarbeit vor Ort“, so Dr. Daniela Grobe, Beigeordnete für Gesundheit, Soziales, Arbeit und Kultur.
Pädiatrische Praxen sind ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Präventionskette. Sie sind akzeptierte Orte der Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen und werden regelmäßig von Familien in Anspruch genommen. Die Gesundheitssprechstunde erreicht die Eltern und ihre Kinder somit genau dort, wo sie sich bereits befinden.
„Dank der Unterstützung aus dem Landesprogramm 'kinderstark – NRW schafft Chancen' können wir bedarfsgerechte Maßnahmen, wie die Gesundheitssprechstunde, umsetzen und damit auch zu einem gelingenden Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Mülheim an der Ruhr beitragen“, so der Stadtdirektor und Beigeordnete für Schule, Jugend, Sport und Integration, David A. Lüngen.
Bei reger Inanspruchnahme der Sprechstunde ist perspektivisch eine Ausweitung auf weitere kinder- und jugendärztliche Praxen in Mülheim angedacht.
Unterstützt wird das Projekt „Gesundheitssprechstunde durch „kinderstark – NRW schafft Chancen“.