Der Ausschuss für Kultur, Brauchtum, Tourismus und Stadtgeschichte hat in seiner nichtöffentlichen Sitzung am 3. Juli 2026 einstimmig beschlossen, den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr für das Jahr 2026 - Sponsor: Sparkasse Mülheim an der Ruhr - an die Chemikerin
Prof. Dr. Serena DeBeer
sowie an das Theaterkollektiv
Subbotnik
zu vergeben. Beide Hauptpreise ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert.
Die Entscheidungen sind wie folgt begründet worden:
Prof. Dr. Serena DeBeer
„Serena DeBeer ist eine herausragende Wissenschaftlerin, die mit teils von ihr selbst entwickelten Methoden Prozesse in Enzymen aufklärt. Enzyme sorgen in der Natur dafür, dass bestimmte chemische Prozesse in Organismen genügend schnell ablaufen können und dazu noch zu den gewünschten Produkten führen. Dabei konzentriert sie sich besonders auf solche Enzyme, die für die Energieumwandlung wichtig sind. Einer der Schwerpunkte der Arbeit ist die Erforschung der Vorgänge, die von Pflanzen dazu genutzt werden, Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und für den Organismus verfügbar zu machen, was in biologischen Systemen bei Raumtemperatur und Atmosphärendruck passiert. Technisch benötigt man dafür Drucke von einigen hundert Atmosphären und Temperaturen von über 400°C. Zu ihren herausragenden Leistungen gehört die Identifizierung der Schlüsselkomponenten im entscheidenden Enzym für diesen Prozess, was Hinweise darauf geben könnte, wie man auch den technischen Prozess unter milden Bedingungen realisieren könnte. Ähnliche Aufschlüsse geben ihre Arbeiten auch zu einem anderen sehr wichtigen Enzym, mit dem das reaktionsträge Methan – wesentliche Komponente von Erdgas – zu Methanol umgewandelt wird, das für eine Vielzahl von chemischen Produkten der Ausgangsstoff ist.
Aufgrund ihrer weltweit sichtbaren und anerkannten Leistungen ist sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Sie wirkt und lebt seit über 15 Jahren in Mülheim, zunächst als Forschungsgruppenleiterin, dann als Direktorin am MPI für Chemische Energiekonversion. Mit ihren Arbeiten trägt sie wesentlich dazu bei, die Bedeutung des Forschungsstandorts Mülheim in der ganzen Welt deutlich zu machen.“
Subbotnik
„Subbotnik wurde 2012 von Kornelius Heidebrecht, Martin Kloepfer (bis 2022) und Oleg Zhukov gegründet. „subbotnik" leitet sich von der Bezeichnung für freiwillige, unbezahlte Samstagsarbeit in der ehemaligen UdSSR und DDR ab – eine Anspielung auf die häufig prekären Produktionsbedingungen der freien Szene. Subbotnik lässt sich aber auch als unbezahlbare, gemeinsame Leistung von Darstellenden und Publikum interpretieren, die jede Aufführung zu einem kollektiven Erlebnis macht. Als Theatermacher*innen und Musiker*innen mit Wurzeln in Belarus, Ukraine und dem Ruhrgebiet arbeiten sie an der Schnittstelle von performativem Erzählen, Konzert und Live-Hörspiel bzw. Musik-Theater.
Mit der Auszeichnung von Subbotnik würdigt die Jury ein Theaterkollektiv, das auf unverwechselbare Weise künstlerische Qualität, gesellschaftliche Relevanz und gelebte Teilhabe miteinander verbindet. In seinen poetischen, musikalischen und bildstarken Arbeiten schafft Subbotnik Räume, in denen Theater nicht allein vor einem Publikum stattfindet, sondern gemeinsam mit ihm entsteht. Partizipation ist dabei kein ergänzendes Vermittlungsangebot, sondern ein grundlegendes künstlerisches Prinzip: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Erfahrung und Generation werden zu Mitwirkenden und Mitgestaltenden einer außergewöhnlichen Gemeinschaft auf Zeit.
Eine besondere Bedeutung besitzt dabei die enge Verbundenheit von Subbotnik mit dem Theater an der Ruhr und der Stadt Mülheim an der Ruhr. Diese Verbundenheit entstand aber schon vor der ersten künstlerischen Arbeit – Robinson Crusoe 2013 – am Theater an der Ruhr. Oleg Zhukov und Kornelius Heidbrecht waren bereits Ende der 90er Jahre als Schüler Mitglieder des Jungen Theater an der Ruhr.
Subbotnik bereichert das Angebot des Theater an der Ruhr für die Stadt durch seine offene Arbeitsweise, seine besondere Erzählkunst und seine Fähigkeit, das Theater immer wieder als Ort der Begegnung, der gemeinsamen Erfahrung und des gesellschaftlichen Dialogs neu zu denken. Die von Mülheim ausgegangene auch überregionale Erfolgsgeschichte drückt sich in zahlreichen Preisen und Festivaleinladungen aus. Zuletzt wurde die Produktion „1001 Nacht oder die Macht des Erzählens" des Theater an der Ruhr mit dem Westwind-Preis 2026 ausgezeichnet – der renommierten Auszeichnung für die beste Produktion für junges Publikum in Nordrhein-Westfalen.
Der Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft ist somit eine weitere Anerkennung des künstlerischen Schaffens von Subbotnik.“
Die Zusammensetzung der Jury:
Externe
Rainer Komers (Ruhrpreisträger 2006), Bereich "Film"
Dr. Jörg Schmitz, Bereich „Geisteswissenschaften"
Eberhard Ross (Ruhrpreisträger 2013), Bereich "Bildende Kunst"
Peter Eisold (Ruhrpreisträger 2016), Bereich "Musik"
Dr. Corinna Schlicht, Bereich "Literatur"
Sven Schlötcke (Ruhrpreisträger 1988: Theater an der Ruhr), Bereich "Theater“
Prof. Dr. Ferdi Schüth (Ruhrpreisträger 2010), Bereich "Naturwissenschaften"
Aus Politik und Verwaltung
Markus Püll, Ausschuss für Kultur, Brauchtum, Tourismus und Stadtgeschichte
Dr. Daniela Grobe, Kulturdezernentin
Vertreter des Sponsors
Martin Weck, Sparkasse Mülheim an der Ruhr