In der Stadt Mülheim an der Ruhr wurde der Spielplatz „Schloßberg“ als Leuchtturmprojekt zu einem „Spielplatz für alle“ umgestaltet.
Ermöglicht wurde dieses große Umbauvorhaben durch Städtebaufördermittel im Rahmen der Vorbereitungen zur Internationalen Gartenausstellung (IGA 2027). Der städtische Eigenanteil konnte durch Stiftungsmittel sowie Spenden (maßgeblich eingeworben durch den Mülheimer Verein „Rolli Rockers Sprösslinge e.V.“) gedeckt werden.
Im Nachgang eines Fachtages im Herbst 2023 zu dem Thema „Spielplatz für alle – Inklusion auf Mülheimer Spielplätzen“, hat sich ein Arbeitskreis gegründet, in dem Expert*innen, Betroffene sowie verschiedene Fachbereiche der Mülheimer Stadtverwaltung Fragestellungen zur Ausgestaltung inklusiver Spielorte austauschen und Planungsvorhaben begleiten, so auch die Planung und Ausgestaltung der Spielplatzumgestaltung „Schloßberg“.
Bei der Konzeption des inklusiven Spielplatzes „Schloßberg“ wurde darauf Wert gelegt, allen Kindern unterschiedliche Spielmöglichkeiten und besondere Spielerlebnisse zu bieten. Dabei gilt: nicht jedes Spielgerät muss von allen Kindern gleichermaßen genutzt werden können. Vielmehr sorgt die Vielfalt der Angebote dafür, dass möglichst viele Kinder entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten gemeinsam spielen können. So bietet dieser inklusive Spielplatz insbesondere für Kinder mit individuellen Bedürfnissen und Unterstützungsbedarfen einen Ort der Teilhabe und des gemeinsamen Spielens.
Ein wesentliches Merkmal der Umgestaltung ist das durchgängige Orientierungssystem. Die Spielzugänge sind nach dem Zwei-Sinne-Prinzip gestaltet und sowohl optisch als auch taktil eindeutig wahrnehmbar. Farblich differenzierte Wege, Natursteinbänder, kontrastreiche Materialien und farbige Keramikelemente erleichtern die Orientierung insbesondere für Menschen mit Seheinschränkungen.
In einigen Spielbereichen ist ein synthetischer Fallschutzboden angebracht, der durch die kontrastreiche Farbgestaltung ebenfalls Orientierung bietet, durch die fugenlose Fläche rollstuhltauglich ist durch eine leichte Erhöhung in der Mitte (Laufrolle) eine weitere Orientierungshilfe bietet, ohne eine Stolperfalle zu erzeugen.
Entlang des Wegesystems sind sieben „Zwitscherkästen“ (Hörstationen) platziert. Sie leisten einen wichtigen Beitrag, damit Kinder möglichst selbstständig und viel Freude den Spielplatz entdecken und nutzen können. Der Hör- und Sehsinn wird dabei besonders angeregt und neben ihrer auditiven Funktion sind sie visuelle „Aufmerksamkeitssäulen“. Die Zwitscherkästen sind entlang des Wegesystems angeordnet und geben unterschiedliche Informationen zu den jeweiligen Spielangeboten, auf die sie Bezug nehmen.
Jede Säule verbindet einen gesprochenen Text mit passenden Geräuschen. Die Hörerlebnisse sind kindgerecht gestaltet und laden diese ein, sich spielerisch auf die jeweiligen Geräusche und Geschichten einzulassen, in eigene Fantasiewelten einzutauchen und die unterschiedlichen Spielelemente zu entdecken.
Die Bedienung der Hörstationen ist einfach gestaltet. Die Tonwiedergabe (einfache Sprache und kurze, verständliche Sätze) wird durch das Kurbeln an einer Ladekurbel aktiviert, die auch für Kinder mit motorischen Einschränkungen bedienbar ist. Zudem bieten Bilder auf der Kopfseite eine visuelle Orientierung bezogen auf die jeweiligen Standorte.
Beschreibung der Zwitscherkästen:
Standort 1 (Nordeingang) sowie Standort 7 (Südeingang) - Willkommensstationen
Am Nord- sowie Südeingang begrüßt eine Bahnhofansage die Kinder. Sie erfahren, dass sie am ehemaligen „Bahnhof Broich“ angekommen sind und dass hier der Radweg endet. Die Ansage lädt dazu ein, den Spielplatz zu Fuß zu entdecken.
Am Großspielgerät befindet sich als zusätzliche Rückschau an die ehemalige „Ruhrtalbahn“ ein alter etwas vereinfachter Fahrplan.
Standort 2 (Sinneserfahrungen)
An dieser Station werden verschiedene multisensorische Spielerfahrungen vorgestellt, wie zum Beispiel das Farbenspiel, das zugleich ein Treffpunkt ist, die Wasserspringschale, die akustische und haptische Erfahrungen ermöglicht oder das Fernglas „Kaleidoskop“, das visuelles Erleben erweitert. Rund um ein Spielgebüsch aus unterschiedlichen Gräsern und duftenden Stauden sind so verschiedene Bereiche zum Hören, Riechen, Tasten und Sehen entstanden, die aber zeitgleich Rückzugsmöglichkeiten bieten und sowohl Ruhe, wie auch Beobachtungsmöglichkeiten bieten. Besondere Spielobjekte, wie ein Streichelstein in Form eines Bären oder die Quallenfiguren mit Klangkörpern, laden zum Entdecken ein.
Standort 3 (Kommunikationsplatz und Karussell)
Diese Hörstation stellt die Aufenthaltsfläche mit der großen Kommunikationstafel und das „Rollikarussel“ vor. Gängige und übliche Metacom-Symbole ermöglichen an der gut erreichbar angebrachten Tafel eine unterstütze Kommunikation und schaffen so Ausdrucks- und Verständigungsmöglichkeiten auch für Menschen mit Sprach- oder Kommunikationsbeeinträchtigungen.
Die bereits erwähnte leichte Wölbung im Fallschutzbelag leitet zu einem inklusiven Karussell, das ein gemeinsames Dreherlebnis für gehende und im Rollstuhl sitzende Kinder ermöglicht. Ein spezieller Bügel erlaubt den Kindern die Geschwindigkeit aber auch den Bremsvorgang selbst zu steuern.
Standort 4 (Inklusionstreppe)
Eine Landmarke und zugleich das Herzstück des Spielplatzes stellt das Großspielgerät dar. Dieses eigens für Mülheim an der Ruhr konzipierte Spielgerät weist einen Turm auf und bietet verschiedene Spielelemente mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen an. Die Besonderheit ist, Rollstuhlfahrende können über eine Rampe eigenständig auf eine höher gelegene Ebene gelangen und die Rutschenröhre nutzen. Wer sicher und stark genug in den Armen ist, kann überdies auf einem eigens konzipierten „Wackelsitz“-Aufstieg das Spielgerät selbständig wiedererklimmen. Zudem bieten Wackelbrücken, befahrbare Gummiflächen, Seilkletterelemente und Motorikwände taktile sowie akustische und optische Reize. Die beim Memoryspiel verwendeten Symbole zeigen verschiedene Spielelemente des Spielplatzes (z.B. Löwe, Krabbe, Karussell, Trichtertelefon) und sind damit vertraut und sollen das Wiedererkennen und Mitmachen erleichtern.
Standort 5 (Nestschaukel)
Die Nestschaukel ist durch ihre Größe geeignet, dass mehrere Kinder sie gleichzeitig nutzen können. So kann aus dem gemeinsamen Schaukeln ein sozial-integratives Erlebnis werden. Zudem fördert sie Gleichgewicht und Koordination und ermöglicht Kindern mit Einschränkungen auch das Gefühlserleben des Schaukelns und Schwingens.
Standort 6 (Dreifachschaukel)
Diese Audiosäule macht darauf aufmerksam, dass es unterschiedliche Schaukeln zum Ausprobieren gibt. Die Dreifachschaukel beispielsweise ermöglicht Kindern mit unterschiedlichen Bedürfnissen das Erlebnis, gleichzeitig miteinander schaukeln zu können. Neben einem klassischen Schaukelsitz stehen ein inklusiver Stützsitz sowie ein Pärchensitz zur Verfügung und sobald die Puste ausgeht, bietet ein ganzer Bankplatz mit „Picknicktisch“ einen Platz neben der Schaukelfläche zum Ausruhen an.
Durch die Beteiligung und das „Mitdenken“ vieler Akteure ist der „neue“ Spielplatz am Schloßberg zu einem Ort der Begegnung und des Miteinanders geworden. Er bietet durch seine Gestaltung Orientierung und lässt durch seine Wegeführung die Erreichbarkeit der unterschiedlichsten Spielangebote zu. Aufenthaltsqualität, Bewegungsangebote und Sinneserfahrungen sind von Anfang an gemeinsam entwickelt und mitgedacht worden und setzen die Vision eines „Spielplatzes für alle“ um.